XVIII
1939


1894

1901

1910

1919

1930

1920
1939


1946

2000




1901

 

Anfänglich war sie einfach die Straße Nummer 78, wie sie in einem Stadtplan von 1874 bezeichnet wird, erhielt dann aber 1891 ihren Namen Karkutschstraße. Benannt wurde sie damals nach dem stettiner Saatgroßhändler Ferdinand August Ludwig Karkutsch. Der Kaufmann lebte von 1813 bis 1891. Er gehörte zu den wohlhabenden Stettinern, denen die Entwicklung der Stadt am Herzen lag und stiftete deshalb zu ihrer Unterstützung. In seinem Testament vermachte er der Stadt 300 000 Mark zum Bau eines Museums, das dann im Jahre 1913 auf der Hakenterrasse (heute Wa³y Chrobrego) entstand. Seine Spenden halfen ebenfalls mit zur Errichtung der Lungenheilanstalt bei Augustwalde, damals einer der modernsten Einrichtungen ihrer Zeit. Als die Karkutschstraße entstand, am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jh. führte ihre Haupttrasse über das Gelände des "Alten Militärfriedhofes", der in den 1840er Jahren hier eingerichtet worden war. Dieser lag südlich der vom "Berliner Tor" in das Dorf Falkenwalde führenden Chaussee und wurde nun nach Osten durch die neuentstehende Straßenführung stark eingegrenzt. Bereits in den ersten Plänen war vorgesehen, diesen Friedhof in eine Grünanlage umzuwandeln. In die Parkgestaltung wurden die wichtigsten Grabsteine eingebunden, darunter das Grabmal für den in Stettin geborenen Feldmarschall Friedrich von Wrangel (1784 - 1877). In den Jahren 1891-92 entstand der erste Teil der Karkutschstraße vom Hohenzollernplatz, heute pl. Zwyciêstwa, bis zur Bismarckstraße, heute Obroñców Stalingradu. Bis zum Jahre 1902 wurde dann auch der weitere Teil bis zur Turnerstraße, heute ul. Jagielloñska fertiggestellt. Im östlichen Teil der Straße, an der Kreuzung Greifenstraße, heute ul. Bogurodzicy neben der katholischen Kirche, wurde in den Jahren 1893-1895 die Hebammenanstalt gebaut. Die Baugrundstücke für den in rotem Backstein ausgeführten Komplex waren bereits seit 1889 ausgewiesen. Im 55 m langen Hauptgebäude waren Labors, Lehrsäle, Säle für Mütter und Säuglinge, sowie Aufenthaltsräume für die Schülerinnen untergebracht. Im daneben gelegenen Verwaltungsgebäude befand sich auch eine Dienstwohnung der vorgesetzten Hebamme. Zehn Jahre später (1903-1904) erfolgte eine Erweiterung und die bis heute erhaltene Umzäunung des Grundstückes. 1924 dann wurden die neuesten Gebäudeteile um ein Stockwerk erhöht. Die Anstalt wurde viele Jahre von dem um Mutter und Kind sehr bemühten Prof. Stephan geleitet. Die ältesten und vierstöckigen Wohnhäuser, Nr. 8 - 10, mit ihren Erkern und historisierenden Fassaden entwarf der Architekt Hinz im Jahre 1892. Das eindrucksvollste Gebäude, das Jugendstilhaus Nr. 1, und das Archivgebäude am anderen Ende der Straße entstanden zu Beginn unseres Jahrhunderts. Friedrich Liebergesell entwarf das Haus Nr. 1 im Auftrage des hohen preussischen Staatsbeamten Albert Netz, der zu den hochgestelltesten Kreisen der Stadt gehörte. Anfänglich hatte eine große königlich-kaiserliche Spedition hier ihren Sitz, später dann die Vertretung des Bremer Lloyd. Die großen Wohnungen waren für Angehörige der höheren Gesellschaftsschichten bestimmt, für Juristen, Ärzte, Kaufleute, Offiziere und Direktoren bekannter Firmen. Dem Status der Bewohner entsprach die äußere Fassadengestaltung des Hauses ihre reiche Pflanzen- und Tierornamentik, die durch die abwechslungsreiche Fassade, durch Erker und Balkone, die dynamische Führung der Gesimslinie und die Gestaltung der Fenstereinfassungen noch unterstrichen wurde. Den Rang des Hauses betonten außerdem die Gestaltung und Ausstattung des Treppenhauses und der Innenhof mit einem Springbrunnen aus Marmor, den die Düsseldorfer Marmor-Industrie Franz Weiraucher GmbH lieferte. Der die Karkutschstraße zur Turnerstraße hin abschließende Baukomplex entstand zu Beginn des Jahres 1901. Das Projekt aus dem Jahre 1899 stammt vom Baurat Konrad Kruhl und wurde unter der Aufsicht des Rates Delins von der Baufirma Hugo Lange ausgeführt. Geplant waren hier von Anfang an Amts- und Archivgebäude und die passendste Stilrichtung für einen solchen in Backstein ausgeführten Komplex schien die Neugotik. So entstand der noch heute malerische Gebäudekomplex, dessen glatte Ziegelfassade von hellem Sandstein und verputzten Blenden gebrochen werden. Die schlanken Elemente unterstreichen die Leichtigkeit der Gebäude und erreichen so, daß die verschiedenen, obgleich mit gleichen Schmuckelementen verzierten Ansichten nicht monoton erscheinen.

      
     

Daten aus der Geschichte * Stetin auf alten ansichtskarten